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Luxusautohändler locken Promis an


Wie die Kanz-Brüder aus Melchingen einen neuen Showroom, einen Supersportwagen und ein kleines bisschen auch sich selbst feiern.

Die VfB-Profis Matthias Zimmermann (li.) und Daniel Ginczek (Mitte) mit Michael Kanz vor dem 1500-PS-Bugatti im futuristisch wirkenden Showroom. Foto: Schnaidt, 7visuals/Eyb.m Ochsen-Parkplatz in Neuhausen auf den Fildern. Foto: Thomas Niedermüller.

 

Stuttgart - Ein feines Plätzchen haben wir für unseren Dienst-Golf gefunden, gleich neben einem Porsche älterer Bauart. Nur einen Haufen Restschnee umkurven, dann steht der Wagen, etwas abseits vom Geschehen. Nie käme man bei einem solchen Anlass auf die Idee, ein Massenauto in der ersten Reihe abzustellen. Auch wenn der Golf davor in der Waschstraße war. Das musste sein. Man weiß schließlich, was sich gehört, wenn man bei Deutschlands angeblich bekanntesten Luxusautohändlern vorbeischaut.

 

Wir sind in Burladingen-Melchingen angekommen, und um ganz ehrlich zu sein, keine Ahnung wo das liegt. Irgendwo hinter Tübingen ging es in einer mondlosen Nacht links weg. Hätte uns das Navi nicht geführt, wir würden noch heute über die Schwäbische Alb kurven. Stadteier halt.

 

Neuer Showroom eröffnet
Bei einer Radiosendung in Stuttgart haben wir Michael und Sven Kanz, die beiden Luxusautohändler von der Alb, vor einem Jahr das erste Mal getroffen. Wir sollten sie doch mal besuchen, haben sie gesagt, als sie mit einem schweren Audi Q7 bei Schneeregen in Richtung Heimat losblubberten.

 

Heute ist eine gute Gelegenheit, denn die Kanz-Brüder haben was zu feiern. Ihr neuer Showroom soll eröffnet werden, eine schicke Aluhülle zur Präsentation von exklusiven Automobilen. Das lange Bauwerk erinnert an eine Biskuitrolle. Nur dass im Innern keine Creme- und keine Marmeladenfüllung steckt, sondern eine automobile Sahneschnitte. Noch aber ist das Objekt der Begierde mit dunklem Tuch verhüllt.

 

Wir sind nicht die einzigen, die an diesem Abend nach Melchingen zu den Kanz-Brüdern gekommen sind. Jürgen Milski ist da, Teilnehmer der ersten „Big Brother“-Staffel, der später auf Malle sein Glück als Party-Sänger versucht hat; und Menderes, der ewig glücklose „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidat, der es immerhin zum RTL-Dschungelkönig gebracht hat; und natürlich dürfen die Ludolfs nicht fehlen, TV-erprobte Schrotthändler, die verkracht seien, behauptet das Boulevard. Sieht man sie daher nie gemeinsam in ein Reportermikrofon sprechen? Wer viel Privatfernsehen schaut, ist an diesem Abend eindeutig im Vorteil.

 

VfB-Profis sind am Start
Michael und Sven Kanz begrüßen ihre Gäste mit Handschlag, kurze Umarmung. „Schön, dass ihr gekommen seid.“ Bei diesen beiden lassen sie sich noch etwas mehr Zeit: Aus Stuttgart sind die VfB-Profis Daniel Ginczek und Matthias Zimmermann eingetroffen. Ob die beiden Fußballer zu ihren Kunden gehören? „Noch nicht“, sagt grinsend Michael Kanz, „aber wir sind miteinander im Gespräch.“ Das Gespräch wird später auch ein älterer Herr suchen. Er wird sich ungefragt zu den Sportlern setzen und ihnen erklären, mit welcher Taktik sie am kommenden Wochenende auf den Platz laufen müssen.

 

Die Kanz-Brüder mögen gute Verkäufer sein, Autohändler mit Leib und Seele, doch Meister großer Reden sind sie nicht. Daher gibt es auch keine Ansprachen. Das Büfett wird von Sven Kanz gewissermaßen nebenbei eröffnet, indem er sich fast verlegen einen Teller schnappt und ein belegtes Laugenweckle drauflädt. So bodenständig wie die Chefs, die angeblich einmal die Woche mittags zu Linsen und Spätzle bei den Eltern vorbeischauen, ist auch die Essenauswahl. Die feinen Petit-Four-Kunstwerke wirken fast etwas deplatziert.

 

Die Party für den Showroom haben die Kanz-Brüder, mit freundlicher Unterstützung diverser Sponsoren selbst organisiert. Wer sich erkundigt, wie viele Angestellte die Firma hat, bekommt zu hören: keine. Und wenn mal wieder RTL II für eine Neuauflage von „Kanz oder gar nicht“ oder n-tv für „Deluxe – Alles was Spaß macht„ anklopfen? „Wenn es passt, machen wir so was gern“, sagt Michael Kanz, „und zur Not stehen die Eltern dann halt im Laden.“

 

Das teuerste Serienauto der Welt
Stars und Sternchen mögen wichtig sein für so einer Feier. Aber eigentlich geht es bei den Kanz-Brüdern immer um Autos. Völlig klar, dass sie bei der Enthüllung im Showroom selbst Hand anlegen: Zum Vorschein kommt ein Bugatti Chiron, 1500 PS stark, 420 Kilometer schnell und mit vier Millionen Euro offenbar das teuerste Serienauto der Welt. Sinnlos zu überlegen, ob man am Preis mit der Umweltprämie was machen kann, der Bolide aus dem Volkswagenkonzern ist bereits in festen Händen.

 

Wenig später erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel über dem Autohaus. Ob es daran liegt, dass die Augen von Michael Kanz glänzen, wenn er über den neuen Bugatti sagt: „Man kann das Fahrgefühl mit Worten nicht beschreiben.“

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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700 PS für Neuhausen


Villa, Jet und Jacht haben Sie schon? Wie wär’s mit dem teuersten Lamborghini? Unser Kolumnist Uwe Bogen hat beim Ochsen in Neuhausen die Kanz-Brüder, die Luxusautohändler von der Alb, mit ihrem Stolz getroffen.

Sven (links) und Michael Kantz mit ihrem 500.000 Euro teueren Lamborghini Spyder Aventado auf dem Ochsen-Parkplatz in Neuhausen auf den Fildern. Foto: Thomas Niedermüller

 

Stuttgart/Neuhausen - Wenn nachts alle Katzen grau sind – wie ist das erst bei einem metallic-grau lackierten Sportwagen? Nur vom Mond beleuchtet ist der Parkplatz vor dem Ochsensaal in Neuhausen auf den Fildern, in dem die neuen Pächter in dieser Nacht bis in den frühen Morgen die rauschende Eröffnungsgala mit etlichen Großstadt-Promis feiern.

 

Auch von der Schwäbischen Alb sind Gäste angereist: Sven und Michael Kanz, die mit TV-Sendungen wie „Kanz oder gar nicht“ zu den bekanntesten Luxusautohändlern in Deutschland geworden sind, gehören längst zur Stuttgarter Society, die sich deutlich verjüngt hat.

 

In Dubai fährt die Polizei Lamborghini
„Willst du mal in unseren Lamborghini Spyder Aventador?“, fragt mich der 31-jährige Michael Kanz. Als ich ihn vor einiger Zeit durch den Newsroom des Pressehauses Stuttgart führte, wollte eine Kollegin später wissen, ob dies der berühmte Modedesigner gewesen sei. Seine Frisur lässt Verwechslungen zu. Leicht zu verwechseln sind in der Dunkelheit auf dem Ochsen-Parkplatz auch die Limousinen, die mit oder ohne Fahrer vor dem roten Teppich warten. Die Lichter eines Lamborghini aber sind einzigartig. Kanz knipst sie mit dem Schlüssel an. Wie aus großen Raubkatzenaugen starrt uns sein Supersportwagen an, von dessen Typ in Deutschland im Jahr etwa 40 Exemplare neu zugelassen werden.

 

Die Flügeltüren des 700 PS starken Geschosses klappen nach oben. Aventador bedeutet „jemanden in den Hintern treten“. Meinen Hintern bekomme ich kaum in den abgrundtief auf dem Erdboden liegenden, 500 000 Euro teuren Lamborghini hinein, der in Dubai Einsatzfahrzeug der Polizei ist. An große Deutsche haben die italienischen Autobauer nicht gedacht. Italiener sind kleiner als sie denken – und viel, viel kleiner als ihre Gesten.

 

Brauchen wir nicht Elektro- statt Angeberautos?
Krümmen muss ich mich bei einer Größe von 186 Zentimetern, damit mein Kopf unters Dach passt. Es mag ein alter Spott sein, dass Sportwagen eine Kompensationsfunktion für zu kurz geratene männliche Körperteile erfüllen. Aber wer klein ist, das zeigt sich am Lenkrad des Spyder Aventador, ist manchmal sogar im Vorteil.

 

Mir kommt es vor, als würde ich in einem Flugzeugcockpit sitzen. Michael Kanz zeigt, wo der Startknopf ist. Kaum drücke ich drauf, gewittert das Gefährt wie irre los. „Jetzt das Gaspedal“, sagt der 31-Jährige. Nur leicht tippe ich drauf – was für ein Donnerschall jagt durch Mark und Bein! Ich erschrecke fast zu Tode. Bestimmt ist nun ganz Neuhausen wach.

 

So ein Superauto ist nur für Menschen da, die auffallen wollen. Damit sorgt man für bewundernde Blicke, aber auch für böse Kommentare. Verlangen nicht Feinstaub und Smog nach Elektro- statt nach Angeberautos? Für viele seiner Kunden, sagt Kanz, sind die Luxusfahrzeuge Kapitalanlagen, die man nur selten ausfährt.

 

Ganz in seiner Nähe auf der Alb wohnt Wolfgang Grupp, der Trigema-Chef. Als dieser kürzlich in Stuttgart war, sagte er, die Kanz-Brüder würden keine großen Töne spucken, sondern lieber was klarmachen. Sie hätten, was andere zuvor nicht schafften, seinen alten Hubschrauber nach Israel verkauft, erzählte er. Ist klar, was für einen Traktor der Bauer besitzt, dessen Hof sich neben dem Kanz-Showroom befindet – einen Lamborghini.

 

Beeinflusst ein Sportwagen den Hormonhaushalt des Mannes? Ein gutes Statussymbol ist so eine flach gelegte Mega-Schleuder jedenfalls nicht. Jeder schaut das Auto an – nicht den Besitzer.